Fachtag “Queer Escape – Geschlechtersensible und queere Perspektiven auf Flucht und Migration

Wann:
16. November 2017 @ 09:30 – 15:30

der Gerede – homo, bi und trans e.V. läd ein zum FACHTAG „Queer Escape – Geschlechtersensible und queere Perspektiven auf Flucht“ am 16.11.2017:

Deutschland als Land der westlich-europäischen Welt befindet sich in einer Paradoxie: einerseits nehmen Globalisierung und Anerkennung von Vielfalt zu. Wir sind in weltweite Handels- und Migrationsströme eingebunden, es etablierte sich eine »Willkommenskultur« für Geflüchtete und seit dem 1. Oktober diesen Jahres können auch gleichgeschlechtliche Paare in vollem Umfang heiraten. Andererseits erstarken rassistische Positionen sowie nationalistische Tendenzen innerhalb Europas. Beispiele hierfür sind der Einzug der rechten und lsbtiq*-feindlichen Partei Alternative für Deutschland in den Bundestag oder auch der »Brexit«, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Seit Jahresbeginn 2015 suchten in Deutschland rund 1.3 Millionen Asyl, darunter schätzungsweise 5 bis 10 % LSBTIQ*. In 72 Ländern werden sie strafrechtlich verfolgt, dazu gibt es in 51 Ländern keinen Diskriminierungsschutz. Gesellschaftliche Ausgrenzung, politische und juristische Verfolgung sowie physische und psychische Gewalterfahrungen gehören zum bitteren Alltag von LSBTIQ*, insbesondere in den 10 Hauptherkunftsländern, aus denen die Menschen in den letzten Jahren geflohen sind.

Diese gesellschaftspolitische Gemengelage wirkt sich auf uns alle, die wir schon immer hier leben oder die erst seit kurzem hier sind, aus – allerdings nicht nur zum Negativen.

Denn wir können die Widersprüchlichkeiten auch als Chance nutzen, uns in der haupt- oder ehrenamtlichen Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund bzw. Geflüchteten neu zu orientieren und zu positionieren. An diesem Punkt setzt der Fachtag »Queer Escape – Geschlechtersensible und queere Perspektiven auf Flucht und Migration« an. Ziele sind: -          kritische, offene und sensible Perspektiven zu erhalten und zu stärken
-          Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfsangebote mit und für Geflüchtete und
Menschen mit Migrationshintergrund kennenzulernen, um diese für die eigene
Praxis zu kennen und einzubinden
-          Integration um die Werte der Eigensinnigkeit, der Biografien, der Selbstbestimmung
und der Eigeninklusion zu ergänzen
-         sowohl theoretische wie auch praktische Inputs und Methoden zu verknüpfen

// ABLAUF

930 Uhr Ankunft und Kaffee
1000 Uhr Begrüßung
1010 Uhr Vortrag I // Strukturelles (in) Deutschland // Koray Yılmaz-Günay (Migrationsrat Berlin e.V.)

Heteronormative und rassistische Strukturen in Deutschland – wie sehen diese aus und wie funktionieren deren Mechanismen des Ein- und Ausschlusses? Wie können Maßnahmen für eine offenere, vielfältigere Gesellschaft aussehen?

1105 Uhr Vortrag II // Sexuelle Bildung und Migration // Uwe Tüffers (AIDS-Hilfe Dresden e.V.)

Das Wissen der Angekommenen über Sexualität ist sehr unterschiedlich ausgeprägt; unter anderem in Abhängigkeit des Herkunftslandes, der schulischen Bildung, der Herkunftsfamilie und des religiösen Einflusses. Pauschale Einordnungen von Haltungen und Meinungen zum Lebensthema Sexualität vorzunehmen ist nicht richtig, weil individuelle Lebensentwürfe dabei nicht berücksichtigt werden. Gleich ist jedoch der Anspruch auf eine selbstbestimmte Sexualität. Dies schließt auch die sexuelle und reproduktive Gesundheit ein.

 

1200 Uhr Mittagspause
1300 Uhr Workshop I // Strukturelles (in) Deutschland konkret (Koray Yılmaz-Günay, Migrationsrat Berlin e.V.)

Fortsetzung zum Vortrag I mit dem Fokus, wie sich Maßnahmen auch auf die Arbeit mit Geflüchteten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund übertragen lassen.

 

Workshop II // Sexuelle Bildung konkret (Uwe Tüffers, AIDS-Hilfe Dresden e.V.)

Fortsetzung zum Vortrags II mit dem Fokus des Austauschs zu und der Reflexion von Methoden der sexuellen Bildung.

Workshop III // Besondere Bedarfe von lsbti* Geflüchteten – Empowerment und Schutzraumkonzepte (Carolin Wiegand, Projekt „borderless diversity“ Gerede e.V., Dresden)

Die Lage von lesbisch, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Menschen ist in vielen Teilen der Welt katastrophal. Auch in Deutschland leben deshalb viele lsbti* Geflüchtete. Oftmals bleiben sie jedoch aus Angst vor Zwangsoutings, Repressionen und Übergriffen in Unsichtbarkeit und Unterdrückungsstrukturen gefangen.

Welche Besonderheiten gilt es im Umgang mit lsbti* Geflüchteten zu beachten? Wie muss ein Raum gestaltet sein, indem sie sich sicher fühlen? Und welche Strategien und Maßnahmen gibt es, um lsbti* Geflüchtete bei der Selbstermächtigung zu unterstützen? Der Workshop möchte die besonderen Bedarfe von lsbti* Geflüchteten beleuchten, um gemeinsam entsprechende Empowerment- und Schutzraumkonzepte zu erarbeiten und so einen sensiblen Umgang mit dem Thema zu ermöglichen.

 

1430 Uhr Kaffeepause
1445 Uhr Podiumsdiskussion
1530 Uhr Ende

// KONTAKT & ANMELDUNG

Stadtteilhaus Dresden-Äußere Neustadt e.V.
Prießnitzstr. 18, 01099 Dresden

Teilnahmebetrag: 20 Euro für Hauptamtliche, 5 Euro für alle anderen; eine Rechnung erhalten Sie nach der Anmeldebestätigung.

Anmeldung: bis zum 10.11.2017 bitte per E-Mail an kontakt@gerede-dresden.de mit unbedingt folgenden Angaben: Name, Adresse, ggf. Einrichtung, Kontakt, Workshopwahl.

Hinweis: Die Teilnehmer*innenanzahl sowie die Plätze in den Workshops sind begrenzt.

Rückfragen können gern an Alexander Bahr, Gerede e.V. (alexander.bahr@gerede-dresden.de) gestellt werden.

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